Die 'Amazonen' von morgen entstehen jetzt

Wachsende Plattformökonomie mit neuen Initiativen, Wachstumschancen in Teilbereichen und B2B-Plattformen in Nischen

  • Durch die PSD2-Gesetzgebung entstehen neue Anwendungen

  • Die Wiederentdeckung des Secondhand-Kaufs und -Verkaufs 

Im vergangenen Jahr haben sich bereits bestehende Trends wie die Digitalisierung von Prozessen, Remote Work und Online-Shopping rasant weiterentwickelt.

Welche Trends werden die Welt der Plattformen und Marktplätze 2021 prägen? 

In einer stetig wachsenden Plattformökonomie entstehen neue Initiativen

In einer Zeit, in der das Wachstum der Plattformökonomie von großen E-Commerce-Plattformen wie Amazon, Alibaba und Bol.com mit ihren riesigen Sortimenten dominiert wird, kann deren Marktposition es schwer machen, relevante neue Plattformkonzepte zu entwickeln. Doch wer mit guten Ideen disruptiv auftritt, hat eine Chance. In Teilbereichen und Nischen gibt es reichlich Raum, in dem neue Initiativen zu führenden Plattformen heranwachsen können. 

Nehmen Sie zum Beispiel die soziale Plattform Facebook. In den Niederlanden hat Facebook Hyves von der Landkarte verdrängt, indem es in kürzester Zeit Millionen von Nutzern erreichte. Für neue soziale Netzwerke schien kein Platz mehr zu sein. Doch über die Jahre hat sich gezeigt, dass es für andere Teilbereiche reichlich Raum gibt. TikTok, Instagram, Quora und Reddit sind soziale Plattformen, die alle ihre Daseinsberechtigung haben und jeweils einen bestimmten Markt mit einem konkreten Bedarf bedienen.  

Ausreichend Raum für Plattformen in Teilbereichen

Das Prinzip „The winner takes it all“ gilt in der Plattformökonomie nicht. Ob soziale Plattform oder E-Commerce-Plattform: Je länger sie besteht und je größer sie wird, desto mehr Möglichkeiten entstehen für Teilbereiche. Denken Sie an die schnell wachsende niederländische Plattform Otrium, die einen interessanten Markt für Designermode mit attraktiven Rabatten gefunden hat.

Mehr B2B-Plattformen

Außerdem werden immer mehr B2B-Plattformen in Nischen entstehen. Zum Beispiel Plattformen, die sich ausschließlich auf den Verkauf von Reinigungsmitteln an Reinigungsunternehmen konzentrieren. Dort kauft man direkt beim Großhändler. Auch durch solche Initiativen zeigt sich, dass Raum für das Wachstum neuer Akteure besteht und wir eigentlich erst am Anfang einer neuen Phase der Plattformökonomie stehen. Die entstehenden Teilkanäle lassen sich auch als Äste der Hauptwurzeln eines Baumes betrachten. Haben sie zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Stück fruchtbaren Boden gefunden, werden sie stark genug und bilden gemeinsam ein lebensfähiges Ökosystem. 

Ich erwarte in diesem Jahr weitere Initiativen bei B2B-Plattformen.

Neue Anwendungen dank PSD2

Die 2019 in Kraft getretene PSD2, die unter anderem Innovationen fördern sollte, bringt inzwischen spannende Anwendungen hervor. Mit der PSD2 sind Banken verpflichtet, Unternehmen Zugang zu den Zahlungskonten ihrer Kunden zu gewähren, allerdings nur mit deren Zustimmung. Dyme nutzt diese Möglichkeit zum Beispiel, um Menschen einen besseren Überblick über ihre Finanzen zu verschaffen. Die App führt alle Transaktionen verschiedener Bankkonten zusammen und analysiert sie mit KI. So sehen die Nutzer besser, wohin ihr Geld fließt, und können bessere Entscheidungen treffen.

Die Funktionalität von Dyme ist an sich vielleicht nicht bahnbrechend, aber die Leichtigkeit, mit der man seine Daten teilen kann, sorgt dafür, dass Menschen die App tatsächlich nutzen. 2021 werden wir mehr solcher Anwendungen sehen, die Menschen finanziell stärken und ihnen Zeit für wichtigere Dinge verschaffen.

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Die (Wieder-)Entdeckung von Secondhand  

Vor allem auf Marktplätzen, auf denen viele gebrauchte Waren gehandelt werden, etwa Marktplaats.nl und 2dehands.be, hat die Pandemie für viel zusätzlichen Traffic gesorgt. Das hat einerseits mit der Aufräumwut und der unsicheren Wirtschaftslage zu tun, in der Menschen mit ungenutzten Dingen etwas dazuverdienen. Andererseits möchten Menschen bewusster mit der Welt umgehen. Etwas nur ein paar Mal zu benutzen und dann wegzuwerfen, hat negative Folgen und verursacht viel (unnötige) Produktion. Dieser Trend zu einem bewussteren und grüneren Leben, bei dem Produkte eine zweite oder dritte Chance bekommen, ist von Dauer und wird sich weiterentwickeln. 

 

Von online zu offline

Im Laufe des Jahres 2021 werden wir (hoffentlich) dank der breiten Verfügbarkeit eines Impfstoffs von COVID-19 befreit. Das wird Reise- und Entertainment-Plattformen wie Booking.com, Airbnb, Ticketswap und Polarsteps enormen Auftrieb geben. Aber auch einer Plattform wie Temper, die Personal und Unternehmen im Gastgewerbe zusammenbringt. Ich gehe davon aus, dass die Menschen es kaum erwarten können, wieder unterwegs zu sein, und ihre Freizeit neben all den Online-Meetings so viel wie möglich offline verbringen wollen. Das wird auch Folgen für den E-Commerce haben. Ich erwarte keinen Rückgang, aber das Wachstum wird stagnieren, weil Verbraucher häufiger ins Ladengeschäft gehen, sobald es sicher ist. 

Eine der wichtigsten Lehren des vergangenen Jahres: Entwicklungen können immer schneller gehen als erwartet, und alles ist möglich, wenn wir mit Kreativität auf die jeweilige Situation reagieren. Kleine Akteure, die clever reagieren, oder ein größerer Akteur, der genug Flexibilität für den Wandel zeigt, können zu den Amazons der Zukunft heranwachsen.

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