Fünf Wege, wie Covid-19 die Plattformwirtschaft verändert
Durch den Ausbruch von Covid-19 und die weitreichenden Maßnahmen der Regierung suchen Unternehmen wie Verbraucher nach neuen Wegen, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Von einem digitalen Flohmarkt am Königstag bis zum Ansturm auf Lieferzeitfenster bei Supermärkten. Hinzu kommen alle möglichen neuen Initiativen, die mithilfe von Technologie Akteure zusammenbringen, um lokale Anbieter zu unterstützen oder gefährdeten Gruppen zu helfen. Die Corona-Krise verändert das Spielfeld. Sowohl für Unternehmen, die eine Plattform als Vermittler zwischen Verbraucher und Anbieter nutzen (denken Sie an Airbnb oder Uber), als auch für Dachplattformen, auf denen Organisationen gemeinsam Produkte oder Dienstleistungen verkaufen. Fünf auffällige Entwicklungen verändern die Plattformökonomie.
1. Integration von Kontaktlos-Regeln
Die Maßnahmen der Regierung gegen die Ausbreitung des Virus sind eindeutig: so viel wie möglich zu Hause bleiben und 1,5 Meter Abstand zu anderen halten. Auch Plattformen sollten diese Regel integrieren.
Je nach Art der Dienstleistung fällt die Umsetzung manchen Organisationen schwerer als anderen. So ist es für einen Uber-Fahrer viel schwieriger, während einer Taxifahrt Abstand zu halten, als für einen Lieferkurier, der die Bestellung auf dem Gehweg oder im Hauseingang abstellt. Und es gibt noch mehr Beispiele. PostNL lässt Zusteller die Sendungen selbst abzeichnen, und bei einer Buchung über Nature.house können potenzielle Mieter die Option „kein Kontakt mit dem Vermieter“ wählen.
2. Versand vollständig integriert
Laut PostNL erleben wir eine „Online-Explosion“. Post- und Paketdienste haben ihre Kapazität um 40 Prozent erhöht, weil Onlineshops um 30 bis teils sogar 800 Prozent wachsen. Die Menschen kaufen nicht mehr nur bei bekannten E-Commerce-Anbietern, auch lokale Unternehmer verkaufen ihre Produkte online. Oft sind diese Onlineshops (noch) nicht ausreichend auf die größere und plötzliche Nachfrage eingestellt. Was häufig nicht gut geregelt ist, ist der Versand der Ware. Eine Plattform wie Marktplaats hat schon seit einiger Zeit eine Versandintegration, mit der Verkäufer ein Paket samt Versandetikett mit Sendungsverfolgung ganz einfach über Marktplaats-Nachrichten versandfertig machen können. Wegen der steigenden Nachfrage und der knappen Kapazitäten bei großen Logistikdienstleistern wie PostNL gibt es auch Raum für neue Plattformen. Gute Beispiele sind die Kurierplattform Brenger und ishipit für Lieferaufträge in der Nachbarschaft.
3. Neue Plattformen schnell aufgebaut
Die Corona-Krise trifft einige Branchen hart. Initiativen zur Unterstützung betroffener Unternehmer, vom Gemüsebauern bis zum Kneipenwirt, schießen wie Pilze aus dem Boden. Vielerorts schließen sich lokale Erzeuger zusammen, weil sie ihre Produkte nicht mehr an Restaurants und andere Gastronomiebetriebe verkaufen können, und verkaufen „Support your locals“-Boxen. Es gibt aber auch zahlreiche Hilfsprojekte für Pflegekräfte oder ältere Menschen. Petbnb zum Beispiel bringt Hundebesitzer mit Hundesittern zusammen. Jetzt bietet die Plattform den Service kostenlos für ältere Menschen an, die sich nicht mehr vor die Tür trauen, oder für Pflegekräfte, denen die Zeit für einen langen Spaziergang mit ihrem treuen Vierbeiner fehlt. Die Geschwindigkeit, mit der diese Initiativen aufgebaut, vermarktet, geliefert und bezahlt werden, ist ein direktes Ergebnis cleveren Unternehmergeists im aktuellen Lockdown.
4. Streamingdienste auch in etablierten Branchen
Nicht nur neue Initiativen entstehen, auch in etablierten Branchen werden Dienstleistungen neu erfunden. Nehmen Sie zum Beispiel ein Notariat, das jetzt „Video as a Service“ einführt, um Mandanten aus der Ferne zu beraten. Anbieter solcher Dienste wie Zoom, 24sessions und Teams erleben gerade einen enormen Schub, werden aber auch nach der Krise nicht ganz von der Bildfläche verschwinden, weil Organisationen sich dauerhaft verändert haben. Covid-19 zwingt Unternehmer, ihre Kundenkontaktpunkte neu zu denken, und Verbraucher sind bereit, innovative Wege mitzugehen, um eine Dienstleistung trotzdem nutzen zu können.
Oder ein Musiklehrer, der nicht mehr zum Gitarrenunterricht nach Hause kommt, sondern diesen über einen Streamingdienst anbietet. Ganz neu ist das übrigens nicht, denn es gibt bereits Plattformen, auf denen Inhalte erfolgreich gegen Bezahlung per Streaming angeboten werden. So können Sie zum Beispiel über udemy.com Gitarrenunterricht nehmen.
5. Bargeldlos ist die neue Normalität
Bargeld wird an immer weniger Orten akzeptiert. Eine erwartbare Entwicklung, denn die WHO warnte, dass Bargeld das Virus verbreiten könnte. Außerdem lässt sich bei einer Kartenzahlung oder einer Online-Zahlungsanforderung leichter Abstand halten. Plattformen sollten prüfen, ob in ihren Prozessen noch Bargeld oder Zahlungen per Rechnung vorkommen. Bei Rechnungszahlungen ist auch viel weniger sicher, ob tatsächlich gezahlt wird – etwas, das Sie in Krisenzeiten berücksichtigen sollten.
Nehmen Sie den Gitarrenlehrer, der seinen Unterricht jetzt online anbietet: Er kommt in der „bargeldlosen Gesellschaft“ bestens zurecht. Ein Schüler nimmt eine Videostunde über einen Streamingdienst. Für diese Stunde wurde vorab eine Vergütung vereinbart. Womöglich wird die Stunde per Escrow bezahlt, und das Geld wird erst freigegeben, wenn die Online-Stunde beendet ist und der Schüler sie bestätigt, zum Beispiel per Daumen nach oben.










